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Johanneskapelle

 

Die Johanneskapelle liegt am südlichen Ortsausgang an derStraße nach Wilsingen.

Der Volksmund sagt zu dieser Straßenrichtung "Bläse". Die St. Johanneskapelle wurde erstmals im Jahre 1363 genannt. Im Jahre 1512 hieß die Flur Horstall. Vermutlich wegen der Schändung im Dreißigjährigen Krieg mußte der Konstanzer Weihbischof Sigismund Müller 1659 den Altar neu weihen. Vor 1700 war von "Kreuzauffindung" ( 3. Mai) bis "Kreuzerhöhung"( 14. September ) einmal

in der Woche eine Prozession von der St. Pankratiuskapellezur St. Johanneskapelle, in der dann

die Hl. Messe gehalten wurde. Die heutige Größe von ca. 10,50 m x 4,60 m = 41 qm ist um 1725 entstanden. Durch die runde Tonnendecke wird im Innern eine Höhe von über 5 m erreicht.

Auf dem Satteldach am Westgiebel befindet sich ein hölzerner Dachreiter aus dem vorigen Jahrhundert. In diesemhängt seit 1957 wieder eine kleine Glocke.

Die alte Glocke mußte im I. Weltkriegzu Kriegszwecken abgeliefert werden. Ein Durchmesser von

0,40 m und eine Höhe von 0,45 m sind die Maße. Die Umschrift lautet: Steinhilben 1957. Unten das Gießzeichen HK = Heinrich Kurtz in Stuttgart. Im Gebälk am Glockenstuhl ist noch die Jahreszahl 1886 angeschrieben, vermutlich das Baujahr des Dachreitertürmchens.

Zu einem besonderen Schmuckstück macht der Barock - Altar den hellen Innenraum der Kapelle.

Um 1680 ist er entstanden, aufgebaut mit gewundenen Säulen und unterbrochenem Segmentgiebel.

Im Aufsatz oben ist Gottvater als Halbfigur gemalt. Darüber in Holz geschnitzt eine Taube ( Heiliger Geist ). Das Altarblatt stellt die Taufe Jesu im Jordan dar. Der Hl. Johannes gießt aus einer Schale Wasser über das Haupt Jesu. In der linken Hand hält Johannes eine Fahne mit der Aufschrift: "Ecce Agnus Dei"

( Seht das Lamm Gottes ). Vor dem Altarblatt unten in Holz geschnitzt auf einem Teller der abgeschlagene Kopf des Hl. Johannes. Dies ist eine sehr alte christliche Darstellung und in unserer Gegend wohl einmalig.

Zwei Reliefbilder aus der Zeit um 1540, die sich heute in der Pfarrkirche befinden, schmückten einst die Kapelle. Zum einen dieBeschneidung des Jesuskindes ( 0,83 x 0,57 m ) (Bild 1).

In einem in Zentralperspektive gegebenen Raum mit kassettiertem Tonnengewölbe, sitzen und knien im Vordergrunddie handelnden Personen, dahinter stehend acht Zuschauende.

Zum anderen eine alttestamentliche Szene ( 0,77-0,51m ). Moses schlägt aus dem Felsen den Wasserstrom, aus dem zwei niederkniende Männer und Vieh trinken (Bild 2). Der Hintergrund zeigt Zelte, Felsen und Berge. An der Rückseite des Altars steht mit sehr schöner schwarzer Schrift: "Johannes Schmid, Maurer 1792". Mit Bleistift haben sich weitere Personen verewigt. Beinahe wäre diese alte und ehrwürdige Kapelle im Jahre 1970 dem Abbruch zum Opfer gefallen. Die damals selbständige Gemeinde Steinhilben beantragte beim Landratsamt in Sigmaringen den Abbruch. Der Landeskonservator in Sigmaringen erteilte 1971 die Abbruchgenehmigung. Doch das Landesdenkmalamt legte Einspruch ein.

So vergingen nochmals 8 Jahre, ohne daß etwas geschah. 1979 stellte die Stadt Trochtelfingen als Nachfolgerin der Gemeinde Steinhilben erneut den Antrag auf Abbruch. Der mit der Untersuchung beauftragte Sigmaringer Restaurator Ernst Lorch fand gotische Wandmalereienan der Ostwand.

Nach seinem Untersuchungsbericht müßte die Kapelle in der Barockzeit vergrößert und renoviert worden sein. Dieser positive Befund war ausschlaggebend, die Kapelle zu erhalten und nicht abzubrechen.

1981 erstellte der Trochtelfinger Architekt Winfried Winkelmann einen Kostenvoranschlag in Höhevon

85 000 DM. Es vergingen noch weitere Jahre bis die Renovierung in Angriff genommenwurde.

Einige Bürger übernahmen handwerkliche Aufgaben, und zahlreiche Geld- und Materialspenden gingen ein. In der Zwischenzeit wurde der Altar in der SigmaringerWerkstatt E. Lorch meisterhaft restauriert.

Als Abschluß der Großrestaurierung konnte am Sonntag, dem 11. Oktober 1987 mit einem großen Festgottesdienst und anschließendem Festtag die Kapelle wieder feierlich eingeweiht werden.

Der Nachbar Matthäus Zeiler erklärte sich bereit, das "Betläuten" wiederzu übernehmen.

So ist die St. Johanneskapelle wieder ein Kleinod der ganzen Steinhilber Gemeinde geworden.

 

Kontakt: Katholisches Pfarramt,  Pfarrgasse 10,  72818 Trochtelfingen,  Tel.: 07124/741,  Fax: 07124/1408,  E-Mail:   kath.pfarramttrochtelfingen(at)t-online.de